FFIT trifft Hanno Hensing

Coffee Talks – Teil 2

In unserer neuen Ausgabe der Coffee Talks haben wir mit Hanno Hensing gesprochen — über Technologie, KI, Digitalisierung im Mittelstand und die Frage, warum Unternehmen manchmal weniger Zeit mit Absicherung verbringen sollten und mehr mit dem ersten konkreten Schritt.
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Woher kennen wir uns beziehungsweise wie kam unsere Zusammenarbeit ursprünglich zustande?

Unsere Zusammenarbeit geht tatsächlich schon ziemlich weit zurück. Kennengelernt haben wir uns 2011, als ich für einen Kunden einen Entwickler gesucht habe. Ich war damals bei PLOIN tätig. Aus diesem ersten Kontakt ist über die Jahre eine vertrauensvolle Zusammenarbeit entstanden, die immer wieder an verschiedenen Stellen angeknüpft hat.

Wie verändert Technologie gerade dein Geschäftsfeld am stärksten? Welche Technologie wird deiner Meinung nach die größte Veränderung bringen?

Was mich aktuell am meisten beeindruckt, ist, wie nah und erreichbar Dinge geworden sind, die früher sehr kompliziert waren. Dabei geht es nicht nur um künstliche Intelligenz, sondern auch um Plattformen, Tools und Services, die heute einen Leistungsumfang bieten, für den man vor wenigen Jahren noch sehr lange hätte entwickeln müssen.

Gerade Low-Code- und No-Code-Plattformen öffnen hier viele Türen. Entwicklungen gehen unglaublich schnell. Es lohnt sich fast, jeden Monat neu zu schauen, was wieder dazugekommen ist.

Gleichzeitig sehe ich dieses Maß an Professionalisierung noch nicht überall. Gerade bei sehr verbreiteten Anwendungen wie Office 365 oder klassischen Browsern hat man manchmal das Gefühl, dass sich vieles noch immer im Tempo von vorgestern bewegt. Da ist also auf der einen Seite enorme Dynamik, auf der anderen Seite aber auch noch viel Beharrung.

Welche Trends siehst du aktuell in deiner Branche?

Die Digitalisierung im Mittelstand geht aus meiner Sicht nach wie vor sehr langsam voran. Der Anspruch ist inzwischen zwar häufig, KI einzusetzen. Die Bereitschaft, dafür wirklich die nötigen Veränderungen vorzunehmen, ist aber oft kaum vorhanden.

Damit KI sinnvoll eingesetzt werden kann, braucht es eine gute Ausgangsposition: saubere Prozesse, passende Datenstrukturen, Veränderungsbereitschaft und ein klares Verständnis davon, was man eigentlich erreichen möchte. Genau daran fehlt es in vielen Unternehmen noch.

Deutschland hängt hier aus meiner Sicht weiterhin zurück. Sobald Veränderungen von außen kommen — und davon gibt es aktuell leider sehr viele — neigen viele deutsche Unternehmen dazu, vor allem in Risiken zu denken. Dann wird zuerst bei den Kosten angesetzt, statt in Chancen zu denken und auch einmal radikal neue Wege zu gehen.

Was ist für dich aktuell überbewertet und was unterschätzt?

Interessanterweise ist meine Antwort auf beides: KI.

Überbewertet ist für mich vieles, was aktuell unter dem Label KI verkauft wird, insbesondere einfache KI-Bots als Support-Ersatz. Das ist oft noch weit unter dem, was man eigentlich erwarten dürfte. Man könnte sagen: Das ist „KI für Arme“. Trotzdem wird es branchenübergreifend eingesetzt.

Gleichzeitig ist KI aber auch massiv unterschätzt. Es gibt inzwischen KI-gestützte Anwendungen, die auf einem völlig neuen Level spielen. Fast jeder kann heute mit Tools wie Claude oder vergleichbaren Systemen innerhalb weniger Stunden eine ziemlich gute Webanwendung aufsetzen. Das verändert die Geschwindigkeit, mit der Ideen ausprobiert, getestet und umgesetzt werden können, enorm.

Was macht für dich eine gute Partnerschaft in der IT aus?

Eine gute Partnerschaft in der IT basiert für mich vor allem auf Vertrauen und auf einer gleichgerichteten Denkweise.

Die entscheidende Frage ist: Denken wir nach vorne und suchen nach Möglichkeiten und Chancen? Oder denken wir nach hinten und versuchen uns vor allem abzusichern?

Ich gehöre ganz klar zur ersten Kategorie. Natürlich braucht es Verlässlichkeit, Qualität und einen professionellen Rahmen. Aber gute Zusammenarbeit entsteht für mich dann, wenn beide Seiten nach vorne denken, Verantwortung übernehmen und gemeinsam Lösungen entwickeln wollen.

Welche Best Practices würdest du anderen Unternehmen empfehlen?

Wenn du grundsätzlich etwas willst, dann denke nicht zu lange darüber nach, was alles schiefgehen könnte. Setze lieber etwas Kleines in die Welt und arbeite damit. Der Rest kommt dann oft von allein.

Viele Unternehmen verlieren sehr viel Zeit in endlosen Konzepten, Abstimmungen und Risikoabwägungen. Natürlich muss man professionell arbeiten, aber der erste kleine Schritt ist oft wertvoller als das perfekte Konzept auf dem Papier.

Die sehr groß und restriktiv gewordene DSGVO ist dabei natürlich nicht immer hilfreich. Daten müssen sicher und geschützt sein, keine Frage. Aber manchmal habe ich den Eindruck, dass wir uns hier mittlerweile in einer Art „l’art pour l’art“ bewegen — also in Regelungen und Absicherungen, die sich teilweise verselbstständigt haben und Innovation eher bremsen als sinnvoll schützen.

Welches Projekt war für dich ein echter Game Changer?

Ein echter Game Changer war für mich die Integration eines Billingsystems im Jahr 2003. Das einzige, was wirklich sicher war, war der Endtermin: der 30. Juni. Der Projektstart lag irgendwo am Anfang des Jahres. Wir hatten also weniger als sechs Monate Zeit — und eigentlich war das nicht machbar.

Wir mussten sprichwörtlich die Nacht zum Tag machen. Aber durch die fast unbegrenzte Energie und das enorme Engagement der internen und externen Mitarbeitenden haben wir es geschafft. Am 30. Juni hatten wir eine Punktlandung.

Dieses Projekt hat mir gezeigt, was möglich ist, wenn Menschen wirklich Verantwortung übernehmen, zusammenhalten und mit voller Energie auf ein gemeinsames Ziel hinarbeiten.

Was war dein bisher spannendster Aha-Moment im Berufsleben?

Ein besonderer Aha-Moment kam Jahre später, als ich zu einem Firmenjubiläum einer Interim-Vermittlungsfirma eingeladen wurde. In deren Rückblick wurde das Thema Business Engineering aufgegriffen.

Das war deshalb besonders für mich, weil Business Engineering eine Vorgehensweise beziehungsweise Projektmethode ist, die ich damals bei web.de beziehungsweise 1&1 entwickelt und etabliert hatte. Zu sehen, dass dieser Ansatz Jahre später noch wahrgenommen und eingeordnet wurde, war für mich ein sehr spannender Moment. 

Was würdest du deinem 20-jährigen Ich über den heutigen Tech-Alltag erzählen?

Ich würde wahrscheinlich sagen: „Und das ist erst der Anfang.“

Die Geschwindigkeit, mit der sich Technologie entwickelt, ist heute enorm. Vieles, was früher aufwendig, teuer oder nur für große Organisationen erreichbar war, ist heute für sehr viele Menschen zugänglich. Und trotzdem stehen wir aus meiner Sicht erst am Anfang dessen, was dadurch noch möglich wird.

Wenn du nicht in der IT arbeiten würdest, was würdest du tun?

Wahrscheinlich im Kern das Gleiche — nur ohne den expliziten IT-Fokus. Ich würde Organisationen beraten, Produkte entwickeln und Unternehmen führen.

Mich interessiert nicht nur Technologie an sich, sondern vor allem, wie Organisationen funktionieren, wie Produkte entstehen und wie man Unternehmen besser, schneller und zukunftsfähiger macht. IT ist dabei ein sehr starkes Werkzeug, aber nicht der einzige Zugang.

Kaffee oder Tee?

Kaffee.

Frühaufsteher oder Nachteule?

Eher Nachteule.

Mac, Windows oder Linux?

Mac.

Welche App nutzt du aktuell am häufigsten — außer Mail und Chat?

Aktuell tatsächlich eine App, mit der ich meinen Binnenführerschein mache.

Wenn dein Arbeitstag ein Emoji wäre, welches wäre es?

Daumen hoch.

Welche Superkraft würdest du im Arbeitsalltag am liebsten haben?

Immer geduldig sein.