Smartphones sind allerorts und bilden den kommunikativen und konsumtiven Mittelpunkt unseres Alltags. Wir versenden damit E-Mails und Kurznachrichten, lesen, schauen Videos und kaufen von unterwegs ein. Zumeist nutzen wir dazu eine App, eher selten eine eigens mobile Webseite. Die Bereitstellung einer App, in Ergänzung zu einer klassischen Webseite, ist deshalb für viele Unternehmen unverzichtbar, um Kunden einen ubiquitären Zugang zu bieten.

Internetnutzung im Wandel

Smartphones und Tablets haben bei der Nutzung des Internets dem klassischen PC zuletzt den Rang abgelaufen und die Adaption des Nutzungsverhaltens schreitet weiter fort. So greifen mittlerweile 83% aller Internetnutzer mobil darauf zu und seit 2018 erstmals eine Mehrheit vornehmlich mittels Smartphone oder Tablet. Die Bereitstellung einer responsiven Webseite, die sich flexibel an unterschiedliche Bildschirmformate anpasst und immer eine optimale Darstellung bietet, ist folglich zwingend und nicht mehr nur eine Option. Ideal sind im Weiteren Apps, die nochmals eine bessere Nutzererfahrung bieten.

Weitverbreitet sind native Apps. Mittlerweile sind ca. 2 Mio. für iOS und 3,8 Millionen für Android verfügbar. Viele davon sind kostenlos, nicht wenige kostenpflichtig. In den vergangenen Jahren ist die sogenannte “App Economy” stetig gewachsen. Das Marktvolumen 2018 umfasste insgesamt 365,2 Mrd. USD. Davon entfallen 81,5% auf direkte App- und In-App-Verkäufe, 18,5% auf In-App-Werbung.

Doch diese Summen sind “Peanuts” im Vergleich zu den 693,4 Mrd. USD, die der elektronische Handel allein mittels Shopping-Apps umsetzt. Deshalb ist besonders den Unternehmen, die Waren oder Dienstleistungen im Internet verkaufen, die Entwicklung einer eigenen App anzuraten, zumal laut einer Studie (App-)Kunden einen Onlineshop durchschnittlich 33% mehr frequentieren, 34% mehr Artikel kaufen und in der Summe 37% mehr Umsatz generieren.

Kosten einer progressiven Web App

Die Entwicklungskosten einer App belaufen sich auf etwa 100.000 USD. Hinzu kommen 20% Wartungskosten p.a. Dabei sind mit zwei etablierten (Haupt-)Plattformen, nämlich iOS und Android, die Aufwendungen insgesamt noch einmal zu verdoppeln. In Anbetracht dessen bilden native Apps eine suboptimale Lösung. So bieten Web Apps dank des technischen Fortschritts nahezu den gleichen Funktionsumfang und sind dabei auf beiden Plattformen nutzbar und demnach kostenschonender.

“Progressive Web Apps lösen zwei Probleme: Sie bieten einerseits in Kontrast zu responsiven Webseiten eine verbesserte Performanz und Benutzbarkeit und haben somit einen signifikanten Einfluss auf die Konversionsraten im mobilen Web und senken andererseits in Kontrast zu nativen Anwendungen für iOS und Android die Kosten der Entwicklung.” (Peter Sheldon, Vize-Präsident Adobe Magento Commerce)

Vorteile von PWAs

Bei der Entscheidung bzgl. einer progressiven Web App ist nicht allein der Kostenvorteil zu berücksichtigen. Auch hier gilt die Binsenweisheit: Wer billig kauft, zahlt zweimal. So sind sehr genau die Vor- und Nachteile der verschiedenartigen Umsetzung abzuwägen. Als Vorteile einzubeziehen sind:

  • Progressive Web Apps werden in HTML5 entwickelt und sind somit plattformunabhängig nutzbar — sieht man von der plattformabhängigen Hardware-Integration (siehe Nachteile) ab.
  • Progressive Web Apps sind relativ kostengünstig, weil bei der Entwicklung und Wartung nur eine Code-Basis erstellt bzw. bearbeitet wird.
  • Progressive Web Apps werden von Suchmaschinen indexiert, d.h. die App-Inhalte sind direkt auffindbar.
  • Progressive Web Apps sind immer aktuell und erfordern keine manuellen Updates.
  • Progressive Web Apps sind teils auch offline nutzbar. So werden Inhalte zwischengespeichert und wieder aktualisiert, sobald eine Internetverbindung hergestellt wurde.
  • Progressive Web Apps werden nicht installiert sondern an den Startbildschirm angeheftet oder lediglich im Webbrowser aufgerufen.
  • Nutzer können einfacher zwischen Apps hin- und herwechseln und Inhalte der PWA leichter teilen.
  • Progressive Web Apps verfügen anders als native Apps über geringere Ladezeiten.
  • Progressive Web Apps sind responsiv und passen die Darstellung automatisch an verschiedene Bildschirmformate an.

Nachteile von PWAs

Progressive Web Apps bieten offensichtlich viele Vorteile. Ob eine PWA aber immer die beste Wahl darstellt, ist abhängig vom Anwendungsfall. So ist nicht immer die Entwicklung einer progressiven Web App anzuraten. Insbesondere bei datenintensiven Anwendungen kann eine native Umsetzung vorteilhaft sein. Dies gilt es bei der Entscheidungsfindung zu berücksichtigen. So sind vor allem die folgenden Nachteile zu nennen:

  • Progressive Web Apps können Nutzereingaben nicht vorhalten und erst später synchronisieren.
  • Progressive Web Apps bieten derzeit nicht auf allen Plattformen die gleiche Funktionalität. Es existiert ein “App Gap”. Dies gilt derzeit insbesondere für iOS.

App Gap

Vor allem der App Gap ist oftmals ein “Show Stopper”. Progressive Web Apps bieten zwar zahlreiche Möglichkeiten auf die Hardware-Funktionen zuzugreifen, dennoch existiert eine Lücke, die PWAs funktional noch begrenzt. Mit “Project Fugu” versucht Google diese Lücke zu schließen, doch das Projekt ist vorrangig auf Chromium und somit Android-Telefone ausgerichtet. Derzeit nicht integriert sind u.a. (1) die ShapeDetection API, zur Erkennung von Barcodes, (2) die Contact und Calendar API, zum Zugriff auf den Telefon-Kalender und die -Kontakte, (3) die Geofencing API, zum geo-eventbasierten Aufrufen von Funktionen, (4)die Writeable Files API, zum Zugriff auf das geräteeigene Dateisystem, (5) die Wake Lock API, zum Deaktivieren des Standby-Modus sowie (6) die Push- und Badging API, zum Mitteilen und Signalisieren von Updates.

Ausblick

Derzeit nutzen, trotz der überwiegenden Vorteile, lediglich einige Unternehmen progressive Web-Apps. Mit dem fortschreitenden Wandel des Nutzungsverhaltens und der Technik, ist aber schon bald nicht mehr nur die Entwicklung einer nativen App zu hinterfragen. Durchaus denkbar ist, dass progressive Web-Apps den klassischen Webseiten immer mehr den Rang ablaufen und irgendwann ganz ersetzen, zumal auch Desktop-Betriebssysteme mittlerweile appfähig sind.